Jede Familie hat ihre eigene Migrationsgeschichte

Diese Unterrichtssequenz befasst sich mit der Migrationsgeschichte in den Familien der Schülerinnen und Schüler.

Darum geht’s

Dieser Themenschwerpunkt führt die SchülerInnen in die Migrationsgeschichte ein. Die Kinder erfoschen dabei die Migrationsgeschichte der eigenen Familie und vergleichen diese mit derjenigen der anderen Familien und der Migrationsgeschichte der Schweiz. So reflektieren sie über ihre eigene Herkunft und die ihrer MitschülerInnen, und sie erfassen die verschiedenen Gründe und Verläufe der Migration.

Lernziele

Diese Unterrichtssequenz ist für den Zyklus 2 (ab der 4. oder 5. Klasse) geeignet. Die folgenden Lernziele stehen im Fokus:

NMG 7 – 3e: … können an ausgewählten Beispielen das Unterwegs-Sein von Menschen, Gütern und Nachrichten in der Umgebung und über weite Strecken auf der Erde angeleitet recherchieren und Ergebnisse ordnen und darstellen.

NMG 7 – 3f… können aufgrund von Berichten das Unterwegs-Sein von Menschen nacherzählen (z.B. Reisen, Auswanderung, Wohnortwechsel, Flucht), eigene Vorstellungen und Erfahrungen dazu beschreiben sowie eigene Unterwegs- und Reisegeschichten zusammentragen und dokumentieren.

NMG 8 – 4d: können Orte und Gebiete auf Karten, Luftbildern und auf dem Globus auffinden (z.B. Flüsse, Seen, Gebirge, Orte, wichtige Städte, Verkehrslinien).

NMG 9 – 1f: können eine Entwicklung (z.B. eigene Familie) über drei Generationen auf einem Zeitstrahl einordnen.

Zeitaufwand

Mindestens 9-11 Lektionen innerhalb von 3-4 Wochen

Didaktische Einführung

Download Didaktische Einführung (PDF, 7 Seiten)

Einstieg: Film «Zeitreise Migration»

Diese Lektion beginnt mit dem Film «Zeitreise Migration» und einer Klassendiskussion darüber. So sollen die Schülerinnen und Schüler einen ersten Eindruck über die Geschichte der Migration erhalten und sehen, dass sie selber Teil davon sind.

Klassendiskussion:

Diskutieren Sie mit der Klasse die folgenden Themen:

  • Was heisst Migration? Welche Beispiele für Migration gibt es in unserer Klasse? Erklären Sie, dass auch die Migration innerhalb der Schweiz oder innerhalb des Kantons zum Thema gehört, nicht nur jene über Landesgrenzen hinweg. 
  • Welche Gründe für Migration werden im Film genannt? (Studium, Armut, Arbeit für Spezialist:innen, Flucht) Gibt es weitere Gründe? (Liebe, Familienbande, Abenteuerlust usw.)
  • Was ist mit dieser Personenzügelfreiheit - eh, Personenfreizügigkeit? Habt ihr das verstanden? Eventuell Europakarte aus dem Zeitstrahl zeigen (Epoche seit 2002).
  • Hat die Migration unser Zusammenleben verändert? Wenn ja, wie? Wie ist die Migration in unserer Schule bemerkbar?

Zu den einzelnen Themen können Sie auch weitere Beispiele aus dem Zeitstrahl zeigen, zum Beispiel 1863 (Kaminfegerbub), 1881 (Bernstadt) zur Auswanderung von Schweizer:innen.

Zeitaufwand: 1 Lektion

Link zum Film «Zeitreise Migration»

Link zum Zeitstrahl

Link zu Europakarte:
Personenfreizügigkeit gilt mit den
blau eingefärbten Staaten (=EWR)

Erkunden: Die Ahnentafel

Die Schüler:nnen erstellen eine Ahnentafel ihrer eigenen Familie. Jede Ahnentafel geht von der einzelnen Schülerin aus und erfasst in jeder Generation möglichst viele Familienangehörige (Geschwister, Cousins und Cousinen, Eltern, Onkel, Tanten, Grosseltern und deren Geschwister etc.). So taucht in jeder Familie eine Migrationsgeschichte auf. Im Idealfall enthält die Ahnentafel für jede Person den Namen, Geburtsjahr, Geburtsort, Wohnort, eventuell weitere Wohnorte, eventuell Todesjahr). Diese Daten können gut in mehreren Schritten erhoben werden. Die Mitarbeit der Eltern ist zwingend.

Informieren Sie vorgängig unbedingt die Eltern über das Vorhaben. Falls diese die eigene Geschichte in diesem Rahmen nicht preisgeben möchten, kann mit dem/der Schüler:in eine Alternative gewählt werden - die Ahnentafel eines Fussballers, einer Sängerin, der Gemeindepräsidentin...

Bitte nehmen Sie sich vorgängig zehn Minuten Zeit und lesen Sie die didaktischen Hinweise! (Link oben im blauen Feld)

Zeitaufwand: ca. 4 Lektionen
plus Hausarbeit über mehrere Tage

Vorlage Elternbrief (Word)

Arbeitsblatt: Eine Ahnentafel erstellen

Migrationsgeschichte unserer Klasse

Nachdem in der Ahnentafel die Herkunfts- und Wohnorte der Verwandtschaft ermittelt wurden, werden diese Orte jetzt auf verschiedenen Karten dargestellt. Die Schüler:innen können diese Orte zuerst auf kleinen Karten erfassen. Nach Absprache mit der Lehrperson werden die Orte dann gesammelt auf grosse Karten übertragen.

Je nach der Vielfalt der Wanderungen können einzelne Kinder nur die engere Familie berücksichtigen, andere die weitere Verwandtschaft. Es bietet sich an, mit verschiedenen Farben die Generationen zu kennzeichnen:

Mit farbigen Stecknadeln, Klebepunkten oder Farbstiften wird markiert,

  1. wo die SchülerInnen selber geboren und aufgewachsen sind,
  2. wo die Eltern geboren und sich längere Zeit aufgehalten haben,
  3. wo die Grosseltern geboren sind und gelebt haben oder jetzt leben,
  4. wo die Verwandten wohnen und wo sie hingezogen sind.

Es kann beeindruckend sein, wenn Sie vorher die Karte mit den absehbar meisten Eintragungen auf einem Plotter gross ausdrucken lassen. Es gibt Kopier-Geschäfte, die das für wenig Geld tun.

Diskutieren Sie mit den Kindern dann die Karten:

  • In welchen Regionen, Ländern, Kontinenten lebten die Familien unserer Schüler:innen?
  • Können wir etwas über diese Länder berichten? War jemand von euch schon dort? Wie sind die Landschaft und das Klima? Welche Tiere gibt es dort? Gibt es Besonderheiten? 
  • Sind die Familienmitglieder allein oder zusammen mit anderen an unseren Ort gereist? Haben sie hier Verwandte oder Freunde angetroffen?
  • Wie sind die Familienmitglieder gereist? Welche Gründe gab es für die Umzüge? Diese Fragen werden wir in der nächsten Lektion noch genauer ergründen!

Erkunden: Eine Migrationsgeschichte erfassen

Jetzt beschäftigen sich die Schüler:innen vertieft mit der Frage, welche Gründe Menschen zur Migration bewegen und wie die Migration erlebt wurde. Zu diesem Zweck führen sie ein Interview mit einer Person durch, welche in den aktuellen Ort zugewandert ist. Diese Person kommt idealerweise in der Ahnentafel vor. Wenn dies nicht möglich ist, kann auch eine andere Person gewählt werden.

Bereiten Sie die Schüler:innen auf das Interview vor. Als Leitfaden dient das Arbeitsblatt. Die Antworten, die die Schüler:innen mitbringen, sollten nicht nur aus Stichworten bestehen, sondern eine Entscheidungssituation schildern und Erfahrungen beleuchten. Lassen Sie die Schüler:innen die Fragen zu jedem Bereich (Ausgangslage, Entscheid zum Wegzug, Reise, Ankunft und Integration) und die Antworten dazu in ähnlichem Umfang notieren.

Führen Sie am Schluss eine Diskussion mit der Klasse über die Resultate und halten Sie die Resultate zum Beispiel auf Flipcharts fest. Die folgenden Fragen sollten gestellt werden:

  • Wie sahen die Lebenssituationen in den Herkunftsgebieten aus?
  • Welche Gründe für die Migration wurden in den Interviews genannt?
  • Wie reisten die Migrantinnen und Migranten?
  • Welche Erfahrungen machten sie am Zielort?
  • Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede können insgesamt festgestellt werden? 

Abschluss: Migrationsgeschichte verstehen

Die Kinder haben jetzt ihre Ahnentafel, eine Zusammenfassung ihres Interviews, Karten mit den Wohnorten ihrer Vorfahren, eine Übersicht dieser Wohnorte für die ganze Klasse sowie die Übersicht mit den Antworten aus den Interviews. Zum Abschluss sollte jetzt eine Synthese gebildet werden.

Lassen Sie zuerst die Kinder das Arbeitsblatt mit dem Zeitstrahl ausfüllen: Für die Grosseltern und Eltern soll der Zeitpunkt der Migration mit einem farbigen Punkt auf dem Zeitstrahl aufgezeichnet werden. Anschliessend wird ein solches Blatt in grösserem Format für die ganze Klasse erstellt. Bei den Gründen, die sich wiederholen, können dann römische Zahlen gesetzt werden (z.B. Arbeitsmigration: IIII).

Diskutieren Sie am Schluss mit der Klasse die Resultate. Folgende Fragen können gestellt werden:

  • Wie verteilt sich die Migration in den letzten siebzig Jahren?
  • Welche Gründe für die Migration sind besonders häufig?
  • Warum wurde die Schweiz oder unsere Region, unser Wohnort als Ziel gewählt?
  • Stimmen die Migrationsgründe mit den häufigen Gründen der Zuwanderung überein? Warum (nicht)?

Sie können zum Abschluss auch noch einmal den Film zum Einstieg zeigen, der jetzt besser verstanden wird. Sie können die Eltern zu einer Präsentation der Resultate einladen.

Evaluation: Sie können die Fragen der Schlussdiskussion auch als Grundlage für Prüfungsfragen nehmen.