Fragen - und unsere Antworten darauf

Hier beantworten wir Fragen zur Schweizer Migrationsgeschichte und zum Unterricht in diesem Themenfeld.

Darf man noch «Mohrenkopf» sagen?

Wenn Sie einfühlsam sind, wenn Sie höflich oder respektvoll sein wollen: Lassen Sie's sein. Der Begriff des «Mohren» hat im Laufe der Zeit verschiedene und nicht immer klare Bedeutungen gehabt. Im Mittelalter finden wir hierzulande Häuserbezeichnungen «Zum Mohren», «Zum Mohrenkopf» und Ähnliches, auch waren Köpfe von Schwarzen in Familienwappen anzutreffen, und bis heute gibt es davon abgeleitete Gemeindewappen. Diese Bezeichnungen dürften sich auf den heiligen Mauritius beziehen - der Legende nach war Mauritius ein römischer Heeresführer aus dem oberägyptischen Theben, der wegen seines Bekenntnisses zum Christentum schliesslich von den Römern verfolgt wurde. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde der Ägypter Mauritius als Schwarzer dargestellt.

Wappen mit dem Kopf eines Afrikaners konnten im Mittelalter jedoch auch auf die Teilnahme an einem Kreuzzug verweisen. Die nordafrikanischen Berber wurden von den Römern als Mauren bezeichnet. Deren Reich erstreckte sich bis nach Spanien, von wo sie im Verlauf des Mittelalters von christlichen Herrschern gewaltsam vertrieben wurden. Abgeschlagene «Mohrenköpfe» konnten dabei als Trophäen vorgezeigt werden.

Der «Mohrenkopf» als Bezeichnung für eine mit Schokolade überzogene Süssspeise dürfte dann eher eine Erfindung des Kolonialismus sein. Die Schokolade kam aus den Kolonien, deren Bewohner in der Sicht der europäischen Kolonialherren minderwertig waren.

Der Begriff «Mohr» kann also durchaus ehrenhaft an den heiligen Mauritius erinnern. Heute jedoch klebt der Schatten einer verächtlichen oder gar feindseligen Bezeichnung für Afrikaner unübersehbar daran. Wir empfehlen deshalb, den Begriff in die Rumpelkammer der Geschichte zu entsorgen!